version 2c, 25.feb.2008

der exzessive gebrauch von antibiotika in den letzten jahrzehnten hat dazu gefuehrt dass immer mehr bakterienstaemme gegen sie resistent werden. das stellt heute ein grosses problem in der medizin dar: viele infektionskrankheiten, die eigentlich als leicht zu behandeln galten, koennen nicht mehr beherrscht werden, und spitaeler beherbergen resistente staemme (z.b. mrsa), mit denen sich viele patienten ueberhaupt erst anstecken.
leider ist heute weitgehend vergessen dass es auch schon vor der entdeckung des penicillins (und in folge dann weiterer antibiotika) therapien gegen bakterielle infektionen gab, z.b. kolloidales silber und bestimmte pflanzen, heimische und exotische.

in den 10er jahren des 20. jahrhunderts hatte der britisch-kanadische forscher felix d'herelle zudem herausgefunden dass bakterien zuweilen schnell und restlos verschwinden, z.b. aus fluessen oder in kulturen im labor. er schloss daraus dass auch sie von parasiten befallen werden koennen und nannte diese bakteriophagen ("bakterien-fresser").
bakteriophagen sind viren, und jede art von bakterium wird von einer spezifischen art von phagen befallen. (erst spaeter wurde mit elektronenmikroskopischen aufnahmen bestaetigt dass d'herelle mit dieser ansicht richtig lag und es sich nicht etwa um eine chemische substanz oder ein enzym handelte).
aus seiner entdeckung entstanden therapien gegen viele infektionskrankheiten, z.b. ruhr, die relativ populaer wurden, aber auch bald von skrupellosen firmen verwaessert, indem sie ineffektive arzneien anboten.
die entdeckung des penicillins 1928 bedeutete schliesslich das ende fuer die bakteriophagentheapien, von da an setzte man auf chemische mittel gegen bakterien.

dabei haben die phagentherapien gegenueber antibiotoka immense vorteile: sie wirken immer nur gegen eine bestimmte bakterienart (verschonen also die nuetzlichen arten, die uns bevoelkern, im darm und auf der haut), und sie greifen keine koerperzellen an. toxische und immunsuppressive nebenwirkungen, wie sie antibiotika ja haben, sind nicht vorhanden.
zudem ist ihre verabreichung mittlerweile auch in tablettenform moeglich, ihre dosierung also ebenso leicht wie die chemischer substanzen. (eine ueberdosierung ist wegen ihrer nebenwirkungsfreiheit ohnehin nicht moeglich)
und am wichtigsten: gegen bakteriophagen koennen bakterien nicht resistent werden, da diese sich, wie alle parasiten, in einem evolutionaeren wettstreit mit ihren wirten befinden und daher, ebenso schnell wie die bakterien selbst, staendig mutieren und jede veraendrung mitmachen.
man kann also sagen dass die bakteriophagentherapien gerade jetzt wieder ihre berechtigung haetten und man sie einsetzen sollte.
doch leider geschieht das nicht.

viren gelten heute als synonym fuer krankheit und tod (aids, sars, schweinegrippe...) und niemand traut ihnen zu auch eine heilende wirkung zu haben. die chemische und die pharmaindustrie haben naturgemaess auch kein interesse daran etwas zu aendern, schliesslich waeren therapien aus natuerlich vorkommenden phagen nicht patentierbar und somit nicht vermarkbar.
so ist das elivian institut in tiflis/georgien (d'herelle wirkte dort zu seiner zeit) das einzige das sich nach wie vor der erforschung und anwendung von phagen widmet. dort hat man mittlerwele eine riesige sammlung verschiedenster bakterien und ihrer jeweiligen phagen angelegt, und kann z.b. einen diabetischen entzuendeten fuss innerhalb weniger tage heilen, mit 95%iger wahrscheinlichkeit. in der "modernen" schulmedizin verabreicht man erst wochen- und monatelang verschiedene antibiotika, nur um allzu oft erst recht kapitulieren zu muessen und den fuss zu amputieren. geschieht das nicht rechtzeitig kann aus solch einer infektion auch leicht der tod des patienten resultieren.
die akzeptanz von honig, weihrauch und fliegenmaden in der wundbehandlung hat diese situation verbessert, an die wirksamkeit der bakteriophagentherapien reichen aber auch diese verfahren (die zudem nur fuer oberflaechliche infektionen geeignet sind) nicht heran.

trotz des immensen nutzens seiner entdeckung fuer die medizin, und obwohl er 33mal nominiert wurde, erhielt d'herelle nie den nobelpreis...

mysterioeserweise gibt es auf wikipedia keinen artikel zur bakteriophagentherapie...