version 1, 27.mai 2009

kundalini ist der indische begriff fuer eine kraft, die, bei allem menschen gleich, am unteren ende der wirbelsaeule ihren ausgang nimmt und uns mit energie versorgt. die indische lehre geht davon aus dass sie in der regel (eingerollt) ruht und nur bei kreativen menschen etwas aktiver ist. doch auch schon in diesem zustand speist sie alle unsere koerperlichen und geistigen aktivitaeten, sei es bewegung, denken, libido oder emotionen.
obwohl wir in unserer sprache fuer diese kraft (bezeichnenderweise) keinen namen haben und in unserer kultur nicht geuebt darin sind sie ueberhaupt zu bemerken, kann man doch durch selbstbeobachtung erkennen dass jede erregung und jeder antrieb in dieser region des koerpers ihren ursprung haben.
die kundalini kann aber auch geweckt werden. dann steigt sie deutlich spuerbar hoch bis in den kopf, in kanaelen in und neben der wirbelsaeule. dabei durchlaeuft sie die chakras und erweckt die mit ihnen assoziierten geistigen faehigkeiten und eigenschaften.
erreicht die kundalini das scheitelchakra, tritt ein zustand ein den man als erleuchtung bezeichnen kann.

obwohl im westen heute koerperliche gesundheit und geistige ruhe als nutzen von yoga gelten, war urspruenglich immer der erweckung der kundalini das eigentliche ziel, also die verbindung des unteren zentrums (bauch) mit dem oberen (kopf). das indogermanische wort "joch" leitet sich von "yoga" ab, und bestaetigt damit diese urspruengliche bedeutung.

kundalini-yoga unter der leitung eines kundigen lehrers ist eigentlich der richtige weg um die kundalini zu wecken (und um zu lernen mit der immensen kraft, die sie dann darstellt, umzugehen), doch auch der konsum von cannabis kann eine voruebergehende erweckung ausloesen. (das ist wohl auch der nutzen den saddhus in indien aus ihm ziehen.)
auf jeden fall geschieht die erweckung mit cannabis weitaus schneller, wenn sie dafuer auch nur von kurzer dauer ist. doch immerhin kann diese erfahrung bei dem betreffenden die neugier auf diese neue funktion seines koerpers wecken, und ihn dazu veranlassen sie mittels kundalini-yoga richtig beherrschen zu lernen.

damit sich cannabiskonsum anregend auf die kundalini auswirken kann muessen ein paar vorausetzungen erfuellt sein:

man sollte nicht schon den ganzen tag, oder die tage davor, gekifft haben.
um diese wirkung von cannabis zu erforschen empfehle ich zuvor ein/zwei wochen vom konsum abstand zu nehmen, da der gewoehnungseffekt das sonst erschwert.

man moege gutes marijuana benutzen, und nicht etwa billiges haschisch, das bloss dumpf macht.

man sollte alleine (oder zumindest ungestoert) sein, und jede ablenkung vermeiden. also auch fernseher, radio, gespraeche anderer leute...
auch sollte man sicher sein koennen in den naechsten 2-3 stunden nicht gestoert zu werden, und nicht "funktionieren"zu muessen.
denn nur dann kann man zulassen dass der verstand ausgeschaltet wird und man in sein unterbewusstsein sinkt.

ferner sollte man unter keinen umstaenden etwas essen wenn der "fressflash" einsetzt.
obwohl nahrungsaufnahme unter dem einfluss von cannabis naheliegend ist und ihre auswirkungen selbst geuebten konsumenten nur selten bekannt sind, sind sie doch dramatisch: nur wenn wir diesem (zugegeben starken) beduerfnis nicht nachgeben, koennen wir unsere geistige und koerperliche agilitaet ueber die dauer des rausches aufrechterhalten, eine voraussetzung fuer die weckung der kundalini. ansonsten neigt man zu geistiger wie koerperlicher traegheit, ein effekt der leider nur allzu oft als wirkung von cannabis an sich angesehen wird.
ausserdem sollte man unbedingt von gleichzeitigem konsum von opiaten, schlafmitteln oder alkohol abstand nehmen, da sie alle die aktivitaet der kundalini daempfen.


im folgenden moechte ich also beschreiben wie ich vorgehe wenn ich mittels cannabis die kundalini wecke. ich erhebe nicht den anspruch dass mein weg der beste ist, vielleicht findet ihr ja einen fuer euch geeigneteren...

nachdem ich gutes marijuana (reichlich) genossen habe, ohne beimengung von tabak, in einer wasserpfeife geraucht, lege ich mich unverzueglich nieder, auf den ruecken, und schliesse die augen. die haende lege ich dazu auf die mittellinie des koerpers, die linke knapp ueber dem schambein, die rechte auf die brust. die beine koennen angewinkelt sein oder ausgestreckt, jedoch sollten sich die zehen (wegen der meridiane, die dort enden) nicht beruehren, die fersen hingegen koennen es ohne zu stoeren.
cannabis oeffnet den zugang zum unterbewusstsein und kann dadurch anfangs aengste freilegen, denen man sich erst stellen muss. die umstellung im denken kann verwirrend und unangenehm sein, dauert aber gewoehnlich nur wenige minuten, sofern man dabei nicht abgelenkt wird.
(die eigenschaft von cannabis, den zugang zum unterbewusstsein zu oeffnen, stellt allein schon einen immensen nutzen fuer den konsumenten dar, soll hier aber nicht das thema sein.)
danach sind die gedanken befreit, und ein tiefes gefuehl von gelassenheit stellt sich ein.

in dieser phase beginnt nun aus den haenden (bzw. zwischen ihnen) energie zu fliessen, jene energie die man im japanischen ki nennt (im chinesischen chi). sie stroemt aus einem punkt in der mitte der handflaechen, in der regel aus der rechten hand (der waermenden, gebenden) hinaus und in die linke (der kuehlenden, aufnehmenden) hinein. (die bildhafte vorstellung von stroemendem licht kann dabei zur unterstuetzung dieses vorgangs dienen.)
wenn man die haende so platziert wie oben gesagt, beschreibt die zwischen den haenden stroemende energie einen bogen durch den bauch. dieses stroemen ist einerseits oft spuerbar, aber zuweilen auch hoerbar, weil es augenblicklich die darmperestaltik anregen kann.
da durch sie ki in den koerper einstroemt, kommt der lage der rechten hand grosse bedeutung zu: sie richtig zu platzieren ist aber andererseits leicht, da eine falsche position sich innerhalb von sekunden an der betreffenden stelle in einem unangenehmen druck, bis hin zu einem stechenden schmerz, auswirkt. es gilt also die fuer einen richtige hoehe (entlang der mittellinie des koerpers) zu finden. diese kann sich waehrend des rausches auch aendern, worauf man dann reagieren sollte. mehr als auf die theoretische lage der chakras ruecksicht zu nehmen empfehle ich dabei darauf zu achten ob es sich angenehm und "richtig" anfuehlt.

nach kurzer zeit schon kann dieses stroemen nun eine andere kraft wecken, die im ruecken, auf hoehe der nieren, zu "brennen" beginnt und sich ausbreitet.
damit verbunden ist (zumindest anfangs) ein anspannen der muskeln in diesem bereich. diese anspannung ist unwillkuerlich, sie breitet sich ueber das gesaess in die oberschenkel aus, und sie wandert in der anderen richtung den ruecken entlang nach oben.
dabei unterscheidet sich diese anspannung deutlich von einem normalen anspannen der muskeln, wie wir es gewohnt sind: es kostet keine energie und ist nicht ermuedend. obwohl sie die ganze zeit aufrecht bleibt ist sie kein krampf, und nicht schmerzhaft. sie betrifft nie die atmung oder gar die herztaetigkeit. man kann sich also ohne sorge diesem interessanten zustand hingeben und ihn beobachten. man muss ihn nicht bewusst vorantreiben, sondern sich bloss entspannen und loslassen. wichtig ist nur dass der ruecken gerade ist, und flach aufliegt. die wirbelsaeule muss naemlich eine moeglichst gerade linie bilden.
sollte man diesen vorgang beenden wollen, kann man jederzeit aufstehen und sich schuetteln, damit loest man jede spannung sofort, vollstaendig und ohne jede schwierigkeit.

ein weiterer unterschied zu normaler muskelanspannung ist dass diese art von spannung den ruecken hochwandert entlang einer grenzflaeche, die eigentlich anatomisch (durch die anordnung der muskeln) nicht erklaerbar ist.
als ausgangspunkt dienen dabei immer wieder zuckungen im koerper, vor allem im ruecken, dort wo die energie am staerksten ist. wie kleine blitze zuckt es da, so als ob man immer wieder ein wenig erschrecken wuerde, und jedesmal schnellt die energie/spannung im ruecken sofort ein kleines stueck weiter nach oben. auch ein starker, faszinierender gedanke kann die spannung erhoehen, wobei ich aber nicht sagen kann was von beiden die ursache und was die wirkung ist.

unser koerper (vor allem unser rumpf) wird durch diese muskelanspannung zunehmend fixiert und in eine gerade lage gebracht. zur gleichen zeit wandert ein spannungszustand die wirbelsaeule hoch, der mit den muskeln nichts zu tun hat, der sich anders anfuehlt als ein muskeltonus.
diese spannung/kraft/energie ist mit nichts vergleichbar das wir sonst kennen, und entzieht sich daher auch einer guten beschreibung. es ist die kundalini.
sie fuehlt sich an wie ein brennen ohne hitze, wie ein jucken ohne das beduerfnis (und die moeglichkeit) sich zu kratzen. diese erfahrung ist angenehm und energetisierend. und sie kann grosse neugier und begeisterung ausloesen wenn sie neu fuer einen ist.
am ehesten kann man diesen zustand beschreiben ueber die dinge die normalerweise durch die kundalini gespeist werden: er ist wie ein lange anhaltendes erschrecken ohne ursache, wie kampf- oder fluchtbereitschaft ohne wut und angst, wie ein orgasmus ohne sexuelle komponente, oder wie ein aha-erlebnis ohne eigentlichen inhalt.

waehrend diese spannung/kraft/energie nun nach oben wandert, sollte man immer wieder versuchen seinen koerper bewusst voellig zu entspannen. das dient dazu die erfahrung der kundalini von den sie begleitenden muskelspannungen zu trennen. beide werden dadurch voruebergehend in ihrer aktivitaet absinken, die kundalini wird aber innerhalb weniger sekunden wieder hochschnellen, und in der regel hoeher als sie vorher war.
spaetestens nun wird klar dass sie keine spannung irgendwelcher muskeln ist: sie bleibt aufrecht auch wenn wir alle muskeln entspannen. sie ist eine neue funktion unseres koerpers.
das absinken der muskelspannung geschieht dabei, wie das hochsteigen, auf eine weise die mit der anatomie eigentlich nicht erklaerbar ist: entlang einer ebene die im rechten winkel zur wirbelsaeule liegt, oder im unteren ruecken gar in spiralen.
spaetestens nun wird auch klar dass man sich diese erfahrung nicht bloss einbilden kann: waehrend das ki zu spueren nicht ganz leicht ist, und man sich, wenn man sich bildern von seinem stroemen als anleitung bedient, dem vorwurf aussetzt autosuggestion fuer die realitaet zu halten, ist die kundalini eine eindeutige erfahrung, deren erleben nicht an den willen gekoppelt ist. man kann sie verhindern, aber (normalerweise) nicht bewusst verstaerken oder beschleunigen. die unwillkuerliche wirkung auf den koerper allein (die muskelanspannung) bestaetigt ja schon dass da etwas starkes am werk ist, das wir uns nicht bloss einbilden koennen.

damit sich die kundalini ihren weg durch den ruecken bahnen kann muss der gerade gehalten werden. erreicht sie das genick, wird die stellung des kopfes bedeutsam: auch er sollte spaetestens jetzt gerade und aufrecht gehalten werden. jede andere haltung kann zu einem unangenehmen gefuehl des staus und des drucks fuehren. das bedeutet im liegen dass man den kopf nicht auf einen polster legen kann, sondern auf die gleiche ebene wie der restliche koerper.
kann die kundalini das genick passieren, wird es, wie zuvor schon der ganze ruecken, durch die muskelsperre fixiert und gerade gehalten. wie ein "leuchtender strom" ergiesst sich die kraft nun in den kopf und trifft oben auf die innenseite der schaedeldecke auf. durch bewegen des kopfes kann dieser "aufschlagspunkt" veraendert werden, man sollte eine lage suchen die angenehm ist.
in dieser phase kann es notwendig sein in den lotussitz ueberzuwechseln. ich persoenlich finde es im liegen naemlich schwer eine position zu finden, in der ich keinen unangenehmen druck im kopf verspuere. im lotussitz aber, mit aufrecht gehaltenem kopf (kinn hoch), hat dieser zustand keinerelei unangenehme aspekte.
keine sorge, solch ein wechsel der position kann die energie im ruecken zwar zum ansinken bringen, jedoch wird sie, sobald wir wieder gerade und ruhig sitzen, sprungartig auf die vorherige hoehe schnellen.

die gedanken sind nun angeregt auf eine weise die anders wohl nicht zu erreichen ist, und man nimmt einen erhabenen standpunkt ein der ueber den dingen steht, anstatt mitten drin zu stecken. es ist moeglich viele aspekte seines lebens gleichzeitig zu bedenken, oder aber auch auf eine bestimmte sache mit grosser kraft zu fokussieren. in diesem zustand kann man tiefe einsichten erlangen, und wertvolle erkenntnisse ueber sich und seine umwelt. er stellt den eigentlichen nutzen der ganzen uebung dar, und er kann einen grundlegenden wandel in unserer sicht der welt und unserer bestimmung darin herbeifuehren.
doch anstatt ihn in blumigen worten zu beschreiben will ich euch lieber raten ihn zu erleben, denn nur dann hat er einen nutzen fuer euch...

eine interessante (wenn auch wahrscheinlich bedeutungslose) erscheinung ist in diesem zusammenhang der umstand dass durch den gespannten koerper wellen wandern koennen.
um das zu beobachten legt man sich am besten auf die seite, den kopf auf eine hand gestuetzt, die andere ruht auf dem gesaess.
die muskelspannung erfasst ja auch die beine, und in dieser geraden, gestreckten haltung kann man spueren dass der ganze koerper wie ein seil gespannt ist, und wie ein gespanntes seil kann er nun auch von wellen durchlaufen werden. unwillkuerliche zuckungen, die, wie oben gesagt, vor allem im ruecken ihren ausgang nehmen, breiten sich nun, wie wellen auf einer wasseroberflaeche sehr schnell in alle richtungen aus. diese wellen werden an den enden des koerpers (fuesse und kopf) reflektiert und durchlaufen ihn dann erneut in umgekehrter richtung. das kann mehrmals hin und her gehen bis sie auslaufen. (dieser effekt ist zwar auch spuerbar wenn man auf dem ruecken liegt, er ist im liegen auf der seite aber deutlicher, weil dabei der koerper freier schwingen kann.)

solltet ihr bemerken dass eure atmung im zustand der erweckten kundalini stark verlangsamt ist, muss euch das (zumindest nach meiner erfahrung) nicht beunruhigen. meine beobachtung diesbezueglich ist: je staerker die kundalini, desto weniger atem ist noetig.
auf jeden fall empfiehlt es sich tief in den bauch zu atmen. da jede bewegung den aufbau der spannung ein wenig stoert, ist die verminderte notwendigkeit zu atmen auch nuetzlich, sei sie nun durch die groessere tiefe der atemzuege ausgeloest, oder, auf eine weise die ich selbst nicht verstehe, durch die gesteigerte aktivitaet der kundalini.

der zustand der geweckten kundalini und des entfesselten geistes kann nun fuer eine tiefe meditation genutzt werden.
nach spaetestens 2 stunden legt sich die spannung im ruecken wieder (wenn man sie nicht schon vorher bewusst unterbricht), und wir kehren in unseren normalen zustand zurueck, ohne irgendwelche negativen auswirkungen.

die erweckung der kundalini kann auch dauerhaft geschehen, und ist dann eine schwerwiegende veraenderung unseres lebens, die man wohl nur unter der anleitung eines meisters bewaeltigen kann (die literatur spricht von monatelanger schlaflosigkeit und unruhe). eine dauerhafte erweckung ist aber, abgesehen von seltenen faellen in denen das spontan geschieht, wohl nur durch kundalini-yoga zu erreichen.
eine erweckung der kundalini mittels cannabis ist meines wissens nach immer ein voruebergehender zustand ohne zwingende langfristige auswirkungen.

das ansteigen der kundalini ist mit waerme verbunden, die man vor allem im rumpf spuert (die literatur spricht sogar von grosser hitze, was ich aber aus eigener erfahrung bislang nicht bestaetigen kann). sie kann heilende wirkung haben.
auf jeden fall fuehlen wir uns nach dieser erfahrung erfrischt, voller energie und geistig leistungsfaehig.

worte koennen eine intuitive erfahrung erschweren, darum will ich an dieser stelle eigentlich raten: vergesst am besten alles was ihr gerade gelesen habt, es sollte nur zur erklaerung dienen. als anleitung genuegt:
legt euch nach dem rauchen gerade auf den ruecken und schliesst die augen. vermeidet jede ablenkung. legt die haende auf bauch und brust, die linke unten, die rechte oben. findet fuer die rechte hand eine angenehme stelle.
entspannt euch!
den rest macht euer koerper und die kraefte, die ihm innewohnen...

wohl bekomms!



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